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Zürich, Braginsky Collection, B124
Pergament · 162 + 1 ff. · 27.8 x 20.2 cm · [Ende des 14./erste Hälfte des 15. Jahrhunderts]
Jakob ben Ascher, Tur orach chajjim („Abteilung: Weg des Lebens“)
Bei der Handschrift von Jakob ben Ascher (Sohn des Rabbiners und Schreibers Ascher ben Jehiel) handelt es sich um eine der ältesten Kopien des Arba'a turim, einer religiös-gesetzlichen Handschrift. Das gesamte Werk befasst sich mit allen religionsgesetzlichen Vorschriften für Gebete und für die Synagoge. Die vorliegende Handschrift enthält nur den ersten von vier Teilen. Rings um den Haupttext herum sind viele Glossen und Kommentare zu finden; erwähnenswert ist eine autobiografische Anmerkung des einflussreichen deutschen Rabbiners Jakob Weil aus dem 15. Jahrhundert und Einträge in slawischer Sprache. Die Handschrift weist auch Lesarten auf, die von den Standardeditionen abweichen und enthält sonst unbekannte Responsa („rabbinische Antworten“) des bedeutenden Rabbiner Israel Isserlin (1390-1460).
(red)
Online seit: 2015-03-19
Zürich, Braginsky Collection, B125
Papier · 111 ff. · 18.8 x 13.3 cm · [um 1470]
Hippokrates, Aphorismen
Die Handschrift enthält die hebräische Übersetzung der sieben Kapitel der Aphorismen von Hippokrates von Hillel ben Samuel von Verona (ca. 1220 – ca. 1295), der im Unterschied zu anderen überlieferten Übersetzungen sich eher auf die lateinische Bearbeitung von Constantinus Africanus († vor 1098/99) als auf die arabische Übersetzung aus dem Griechischen stützte. Die Übersetzung ist begleitet von einem Kommentar von Moses ben Isaak von Rieti (1388 – nach 1460), Oberrabbiner von Rom und Dichter. Sein Kommentar stützt sich zu grossen Teilen auf denjenigen von Moses Maimonides (1138-1240) und auf Galen von Pergamon (2. Jh. n. Chr.). Diese Handschrift überliefert die erste von zwei bekannten Versionen des Kommentars. Die Datierung stützt sich auf die Identifizierung des Wasserzeichens.
(red)
Online seit: 2014-12-18
Zürich, Braginsky Collection, B133
Papier · 249 ff. · 24.9 x 18.8 cm · 1615
Tefilla le-Moshe (Moses' Gebete; mystische Intentionen)
Der Autor dieses Textes, Moses Ben Jakob Cordovero (1522-1570), wurde als eine der führenden Gestalten der kabbalistischen Bewegung in der Stadt Safed (Obergaliläa) angesehen, die nach der Vertreibung der Juden von der Iberischen Halbinsel das neue Zentrum der kabbalistischen Bewegung wurde. Eines der wichtigsten Konzepte unter den Kabbalisten von Safed war das des mystischen Gebetes, dessen Kernidee die Kawwana (mystische Hingabe; plural Kawwanot) ist. Das Tefilla le-Moshe (Moses' Gebete) enthält Kawwanot für die Wochentage sowie für den Sabbat. Die in dieser Handschrift benutzten Schriften (eine runde hebräische Kursive, Halbkursive und Quadratschrift) werden durch vielfältige Blattwerk-Federzeichnungen angereichert. Auf der Titelseite bezeichnet sich der Schreiber selbst als "junger und unbedeutender Wurm und nicht ein Mann, AR''I in der Stadt Modena." Ari ist das hebräische Wort für "Löwe", sollte hier jedoch als eine Abkürzung für den Namen des Kopisten verstanden werden, vielleicht der wohlbekannte Schreiber Jehuda Arje (Leone) Modena (1571-1648).
(red)
Online seit: 2016-10-13
Zürich, Braginsky Collection, B173
Pergament · 29 + 1 ff. · 12 x 8.5 cm · 1716
Sefer sod Adonai im scharwit ha-sahaw (Buch des Mysteriums des Herrn mit [dem Kommentar] „Goldenes Zepter“)
Buch des Mysteriums des Herrn mit [dem Kommentar] „Goldenes Zepter“ lautet der Titel dieses Mohelbuches (Beschneidungsbuch) aus dem Jahr 1716, welches aufgrund des Stils und der Schrift dem Schreiber (Sofer) Arje ben Juda Leib aus Trebitsch (Moravien), der in Wien tätig war, zugeschrieben werden kann. Die Handschrift beinhaltet mehrere Illustrationen verschiedener Szenen: unter anderem auf der Titelseite eine Darstellung einer Menschengruppe in der Synagoge, die eine Diskussion führt. Dabei ist es bemerkenswert, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen anwesend sind. Das zweite Blatt zeigt den Erzengel Rafael mit dem jungen Tobias, der seinem blinden Vater zur Heilung einen Fisch nach Hause bringt. Erzengel Rafael als Schutzengel der Kinder kommt als Motiv sonst nur in der christlichen Kunst vor. Arje ben Juda Leib könnte somit eine unbekannte katholische Vorlage benutzt haben, um die Schutzfunktion der Beschneidung für jüdische Knaben zu verdeutlichen.
Arje ben Juda orientierte sich bei seiner Schrift an den Amsterdamer Drucktypen und leitete damit die Mode be-otijjot Amsterdam („mit dem Buchstaben von Amsterdam“) ein, die Verfertigung von Handschriften in Amsterdamer (Druck-)Schriftarten.
(red)
Online seit: 2015-03-19
Zürich, Braginsky Collection, B217
Pergament · 24 ff. · 9.5 x 5.2 cm · 1751
Birkat ha-mason (Tischsegen und andere Gebete und Segenssprüche)
Die Handschrift aus der Mitte des 18. Jahrhunderts enthält neben dem Seder birkat ha-mason („Gebetsordnung des Tischsegens“) des Weiteren die Birchot ha-nehenin („Segenssprüche vor dem Genuss von Dingen“), die Schalosch mizwot naschim („Drei Gebote für Frauen“) und die Seder keri'at schema al ha-mitta („Ordnung des Schema-Gebets zur Nacht vor dem Einschlafen“). Die darin enthaltenen Abschnitte über die drei den Frauen auferlegten Pflichten weisen darauf hin, dass das Buch als Brautgeschenk gedacht war. Neben dem Bild auf der Titelseite sind durch das Buch hindurch 22 kleinere farbige Illustrationen zu finden. Eine hebräische Formulierung auf dem Titelblatt verweist auf den Entstehungsort Deutschkreutz im Burgenland (Österreich). Aufgrund von stilistischen Eigenschaften der Schrift und der künstlerischen Ausführung kann das Manuskript dem Schreiber und Illustrator Aaron Wolf Herlingen zugeordnet werden.
(red)
Online seit: 2014-12-18
Zürich, Braginsky Collection, B222
Pergament · 129 ff. · 12 x 8.1 cm · 1723
Tehillim (Psalmen)
Die Psalmen in dieser Handschrift sind nach den Wochentagen ihrer Lesung unterteilt und wurden, mit Ausnahme der Freitagspsalmen, mit einem Initialwort in einem monochromen oder mehrfarbigen Feld dekoriert. Auf der Titelseite der Handschrift sind Moses und Aaron in zwei Bogen stehend dargestellt. Besonders eindrucksvoll ist das Bild zu Beginn des ersten Psalmes auf f. 6v: Dem Initialwort ashre folgt ein Bild von König David, der auf der Terrasse eines Palastes sitzt und Harfe spielt, während er auf ein aufgeschlagenes Buch blickt, das wahrscheinlich die Psalmen repräsentieren soll. Diese Braginsky Handschrift wurde von Moses Judah Leib ben Wolf Broda von Trebitsch kopiert und illuminiert, der auch die wohl berühmteste illuminierte hebräische Handschrift aus dem 18. Jahrhundert geschaffen hat: die Von Geldern Haggadah von 1723. Diese Psalmenhandschrift der Braginsky-Sammlung miteingeschlossen, sind insgesamt sieben Handschriften von Moses Judah Leib bekannt, die zwischen 1713-1723 entstanden sind. Der braun gefleckte Kalbsledereinband trägt auf der Vorder- und Rückseite das in Gold gearbeitete Emblem der De Pinto Familie aus Amsterdam.
(red)
Online seit: 2016-10-13
Zürich, Braginsky Collection, B235
Pergament · 24 ff. · 14.4 x 90 cm · 1730
Tefillot jom kippur katan („Gebete für den Kleinen Versöhnungstag“) mit jiddischer Übersetzung
Der Fastentag Jom Kippur Katan hat seinen Ursprung im Feiertag Rosch chodesch, der in biblischen Zeiten im Mondkalender den ersten Tag der Sichtbarkeit der Mondsichel nach dem Neumond markierte. Dieser Tag, an dem man ursprünglich nicht arbeiten durfte, entwickelte sich durch die Kompilation des Talmuds später zu einem „Halbfeiertag“. Erst die Mystiker von Safed in Obergaliläa machten aus dem Rosch chodesch einen Fastentag und schufen dazu eine Liturgie, die auf den Bussgebeten von Jom Kippur („Versöhnungstag“) basieren. Von daher stammt auch der Name Jom Kippur Katan („kleiner Versöhnungstag“). Der neue Brauch weitete sich nach Italien und schliesslich nördlich der Alpen aus.
Solche Gebetssammlungen waren im 18. Jahrhundert besonders beliebt. Im Gegensatz zu vielen andern ist das vorliegende Exemplar mit einem illustrierten Titelblatt geschmückt. Würde sich Juda Leib ben Meir aus Glogau auf dem besagten Titelblatt nicht als Schreiber zu erkennen geben, läge die Vermutung nahe, dass es sich um ein Werk des Aaron Wolf Herlingen aus Gewitsch handelt, denn Stil und Schrift der Illustration entsprechen diesem. Über die Verbindungen zwischen Herlingen und dem tatsächlichen Schreiber Meir kann vorerst nur spekuliert werden.
(red)
Online seit: 2015-03-19
Zürich, Braginsky Collection, B242
Pergament · 164 ff. · 20 x 15.4 cm · [17. Jahrhundert]
Josef (Juspa), Sefer Likkutei Yosef („Kompilation des Josef“)
Yosef (Juspa), Schammes („Synagogendiener“) von Worms (1604-1678), hielt den Alltag, die Riten und Gebräuche der jüdischen Gemeinde von Worms, einer der ältesten und wichtigsten in ganz Europa, fest.
Dieses Autograf von Yosef enthält Kommentare zum Gebetbuch, zur Birkat Hamason („Tischgebet“), zur Haggada und zur Pirqe Avot („Sprüche der Väter“) und zusätzliche Anmerkungen zu Gebetsriten und autobiographische Notizen. Die Anmerkungen zu den Minhagim („Gebräuchen“) wurden im gedruckten Wormser Minhagbuch übernommen, aber grosse Teile dieser Handschrift bleiben unediert und dienen deshalb als eine wichtige Quelle für die religiöse Geschichte eines der wichtigsten jüdischen Zentren Europas.
Die Handschrift gehörte unter anderem Rabbi Michael Scheyer und später zur Privatbibliothek von Salman Schocken in Jerusalem.
(red)
Online seit: 2015-03-19
Zürich, Braginsky Collection, B243 Vol. 1
Pergament · 270 ff. · 32.2 x 26.3 · 1494
Hebräische Bibel
Das ältere Kolophon dieser hebräischen Bibel mit masoretischen (textkritischen) Anmerkungen, das sich am Ende des letzten Bandes (Bd. 4) befindet, besagt, dass Isaak ben Ischai Sason diese 1491 in Ocaña (Spanien) fertigstellte. Am Ende des ursprünglich ersten Bandes – und heute zweiten Bandes (Bd. 2) – hält ein weiterer Eintrag fest, dass dieser 1494 in Evora im Königreich Portugal, zwei Jahre nach der Vertreibung der Juden aus dem spanischen Kastilien, fertiggestellt wurde. Ursprünglich war diese Bibel in zwei Bände geteilt, enthielt aber eine ungewöhnliche, nicht kanonische Abfolge der Bücher. Im 19. Jahrhundert wurde sie neu gebunden und in vier Bände (Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3, Bd. 4) geteilt und mit einem Purpurfarbenen Ledereinband und zusätzlicher Goldprägung geschmückt. Im 18. Jahrhundert befand sie sich im Kloster S. Paolo dei Carmelitani Scalzi in Florenz, von dem sie nach der napoleonischen Plünderung wahrscheinlich in die Vatikanische Bibliothek gelangte, doch schon 1827 in England verkauft wurde. Bevor sie nach Zürich in die Braginsky Collection gelangte, gehörte sie zur Sammlung von Beriah Botfield.
(red)
Online seit: 2015-12-17
Zürich, Braginsky Collection, B243 Vol. 2
Pergament · 182 ff. · 32.2 x 26.3 · 1494
Hebräische Bibel
Das ältere Kolophon dieser hebräischen Bibel mit masoretischen (textkritischen) Anmerkungen, das sich am Ende des letzten Bandes (Bd. 4) befindet, besagt, dass Isaak ben Ischai Sason diese 1491 in Ocaña (Spanien) fertigstellte. Am Ende des ursprünglich ersten Bandes – und heute zweiten Bandes (Bd. 2) – hält ein weiterer Eintrag fest, dass dieser 1494 in Evora im Königreich Portugal, zwei Jahre nach der Vertreibung der Juden aus dem spanischen Kastilien, fertiggestellt wurde. Ursprünglich war diese Bibel in zwei Bände geteilt, enthielt aber eine ungewöhnliche, nicht kanonische Abfolge der Bücher. Im 19. Jahrhundert wurde sie neu gebunden und in vier Bände (Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3, Bd. 4) geteilt und mit einem Purpurfarbenen Ledereinband und zusätzlicher Goldprägung geschmückt. Im 18. Jahrhundert befand sie sich im Kloster S. Paolo dei Carmelitani Scalzi in Florenz, von dem sie nach der napoleonischen Plünderung wahrscheinlich in die Vatikanische Bibliothek gelangte, doch schon 1827 in England verkauft wurde. Bevor sie nach Zürich in die Braginsky Collection gelangte, gehörte sie zur Sammlung von Beriah Botfield.
(red)
Online seit: 2015-12-17
Zürich, Braginsky Collection, B243 Vol. 3
Pergament · 184 ff. · 32.2 x 26.3 · 1491
Hebräische Bibel
Das ältere Kolophon dieser hebräischen Bibel mit masoretischen (textkritischen) Anmerkungen, das sich am Ende des letzten Bandes (Bd. 4) befindet, besagt, dass Isaak ben Ischai Sason diese 1491 in Ocaña (Spanien) fertigstellte. Am Ende des ursprünglich ersten Bandes – und heute zweiten Bandes (Bd. 2) – hält ein weiterer Eintrag fest, dass dieser 1494 in Evora im Königreich Portugal, zwei Jahre nach der Vertreibung der Juden aus dem spanischen Kastilien, fertiggestellt wurde. Ursprünglich war diese Bibel in zwei Bände geteilt, enthielt aber eine ungewöhnliche, nicht kanonische Abfolge der Bücher. Im 19. Jahrhundert wurde sie neu gebunden und in vier Bände (Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3, Bd. 4) geteilt und mit einem Purpurfarbenen Ledereinband und zusätzlicher Goldprägung geschmückt. Im 18. Jahrhundert befand sie sich im Kloster S. Paolo dei Carmelitani Scalzi in Florenz, von dem sie nach der napoleonischen Plünderung wahrscheinlich in die Vatikanische Bibliothek gelangte, doch schon 1827 in England verkauft wurde. Bevor sie nach Zürich in die Braginsky Collection gelangte, gehörte sie zur Sammlung von Beriah Botfield.
(red)
Online seit: 2015-12-17
Zürich, Braginsky Collection, B243 Vol. 4
Pergament · 193 ff. · 32.2 x 26.3 · 1491
Hebräische Bibel
Das ältere Kolophon dieser hebräischen Bibel mit masoretischen (textkritischen) Anmerkungen, das sich am Ende des letzten Bandes (Bd. 4) befindet, besagt, dass Isaak ben Ischai Sason diese 1491 in Ocaña (Spanien) fertigstellte. Am Ende des ursprünglich ersten Bandes – und heute zweiten Bandes (Bd. 2) – hält ein weiterer Eintrag fest, dass dieser 1494 in Evora im Königreich Portugal, zwei Jahre nach der Vertreibung der Juden aus dem spanischen Kastilien, fertiggestellt wurde. Ursprünglich war diese Bibel in zwei Bände geteilt, enthielt aber eine ungewöhnliche, nicht kanonische Abfolge der Bücher. Im 19. Jahrhundert wurde sie neu gebunden und in vier Bände (Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3, Bd. 4) geteilt und mit einem Purpurfarbenen Ledereinband und zusätzlicher Goldprägung geschmückt. Im 18. Jahrhundert befand sie sich im Kloster S. Paolo dei Carmelitani Scalzi in Florenz, von dem sie nach der napoleonischen Plünderung wahrscheinlich in die Vatikanische Bibliothek gelangte, doch schon 1827 in England verkauft wurde. Bevor sie nach Zürich in die Braginsky Collection gelangte, gehörte sie zur Sammlung von Beriah Botfield.
(red)
Online seit: 2015-12-17
Zürich, Braginsky Collection, B247
Papier · 70 ff. · 18 x 13 cm · ca. 1670-1671
Ewronot („Kalenderbesprechungen“)
Die Handschrift enthält eine Ewronot („Kalenderbesprechung“). Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden viele sogenannte Sifre ewronot („Bücher der Kalkulationen“). Sie können als Reaktion auf den 1582 eingeführten gregorianischen Kalender verstanden werden. In solchen Handschriften ist oft der biblische Issachar, ein Sohn Jakobs, auf oder neben einer Leiter dargestellt. Als Attribut hält er ein Stundenglas in der Hand. Hier findet sich eine solche Miniatur gleich zweimal, wobei oberhalb der Ersten zusätzlich ein ab- und ein zunehmender Mond mit Gesicht und Sternen illustriert wurde. Das Titelblatt zeigt einen ornamentalen Architekturbogen. Am Ende des Buches finden wir das bekannte Motiv des Moses mit den Gesetztafeln an einem Tisch sitzend.
(red)
Online seit: 2015-03-19
Zürich, Braginsky Collection, B250
Pergament · 247 ff. · 27 x 19 cm · [spätes 13. oder frühes 14. Jahrhundert]
Zedekia ben Abraham, Schibbole ha-leket („Ährenlese“), kopiert von den Schreibern Moses und Samuel
Die halachische Schrift Schibbole ha-leket („Ährenlese“) von Zedekia ben Abraham Anaw von Rom (ca. 1225-1297) enthält eine der ersten Bemühungen, das jüdische Religionsgesetz in Italien zu kodifizieren und einen systematischen Überblick zu schaffen. Inhaltlich befasst sich der Text, der in 12 Grossabschnitte mit insgesamt 372 Paragraphen unterteilt ist, mit den Vorschriften über die Ordnung der Gebete und die Regeln für den Sabbat, die Feier- und Festtage, neben weiteren halachischen Themen, die in einer ausgesprochen aschkenasischen Perspektive stehen. Die Handschrift ist nicht datiert. Sie wurde von den Kopisten Moses und Samuel entweder schon zu Lebzeiten oder kurz nach dem Tod des Autors geschrieben und ist damit eine der frühesten erhaltenden Abschriften des Textes.
(red)
Online seit: 2014-12-18
Zürich, Braginsky Collection, B251
Pergament · 81 ff. · 18.7 x 13.7 cm · [14./15. Jahrhundert]
Abraham Abulafia (1240–nach 1291), Chajje ha-olam ha-ba („Das Leben in der Welt des Jenseits“)
Der spanische Kabbalist Abraham Abulafia (1240- nach 1291) vertrat ein Konzept der Kabbala, das wenig oder nichts mit den bekannten Richtungen zu tun hatte. Er verstand diese weder als eine Form der Gnosis noch als eine Art theosophischer Philosophie, die sich auf Sefirot konzentrierte, die Emanation des göttlichen Wesens. Stattdessen versuchte er einen Zustand prophetisch-mystischer Ekstase zu erreichen, ausgehend von seiner Überzeugung, dass die Erfahrung der Propheten ekstatischer Natur und alle wahren Mystiker Propheten gewesen seien. Das vorliegende Werk war besonders populär und war unter den Titeln Chajje ha-olam („Das Leben in der Welt des Jenseits“) oder Sefer ha-Schem („Buch des göttlichen Namens“) oder Sefer ha-iggulim („Buch der Kreise“) verbreitet, wird aber in dieser Handschrift Sefer ha-Schem ha-meforasch („Buch des unaussprechlichen Namens“) genannt. Das Manuskript zeigt zehn in konzentrischen Kreisen verlaufende Inschriften in Schwarz und Rot sowie 128 nur in Schwarz. Diese enthalten detaillierte Anweisungen für die mystische Meditation. Bei der Betrachtung dieser Kreise sollte der 72 Buchstaben zählende Name Gottes rezitiert werden, der durch eine Kombination des Zahlenwerts der Buchstaben in den Namen der zwölf Stämme Israels, der Patriarchen und der neun Buchstaben des Wortes Schiwte Jisra'el) („Stämme Irasels“) zustande kommt. Der lesende Betrachter sollte jeden der dreifachen schwarz-roten Kreise an der Stelle „betreten“, der durch einen kleinen Federstrich gewissermassen als „Eingang“ bezeichnet ist.
(red)
Online seit: 2014-12-18
Zürich, Braginsky Collection, B252
Pergament · 54 ff. · 19 x 13.5 cm · [letztes Drittel des 15. Jahrhunderts]
Minhagim („Religiöse Gebräuche“)
Das Buch Minhagim („Religiöse Gebräuche“) wird Samuel von Ulm zugeschrieben, die Autorschaft ist aber nicht eindeutig geklärt. Inhaltlich findet man verschiedene Belehrungen, welche auf den Auffassungen von Jakob Moellin (1360-1427) basieren. Er gilt als einer der grössten geistigen Autoritäten der aschkenasischen Welt. Vermutlich wurde die Handschrift im letzten Drittel des 15. Jahrhundert in Norditalien verfasst, da die Federzeichnungen in der norditalienischen Tradition dieser Zeit stehen. Verschiedene im Manuskript enthaltene Motive wie ein Kopf mit ausgeprägter Höckernase und schweren Augenlidern, die sich aus einem Ornament entwickeln oder eine langgestreckte Stadtmauer mit Rundtürmen werden als typisch für Joel ben Simeon betrachtet, dem bedeutenden Vertreter der Norditalienischen Illustrationstradition.
(red)
Online seit: 2014-12-18
Zürich, Braginsky Collection, B253
Pergament · 118 ff. · 13.5 x 9.4 cm · [um 1400]
Mahzor nach dem aschkenasischen Ritus (Nussah Ashkenaz)
Die offensichtlich benützte Handschrift ist in allgemein gutem Zustand und wurde in einer eleganten quadratischen und halbkursiven aschkenasischen Schrift geschrieben. Sie enthält tägliche Gebete und piyyutim für Festtage und spezielle Gelegenheiten. Zudem ist der ganze Text der Haggadah enthalten, der schon in dieser Zeit meistens separat überliefert wird. Die Handschrift enthält einen interessanten Hinweis auf den Einfluss der Zensur. Im Gebet Alenu le-shabbeah glaubte man im Mittelalter eine Beleidigung des Christentums zu entdecken. Die umstrittene Passage wurde hier, wie auch in vielen anderen Fällen, vom Schreiber weggelassen (f. 19r-v). Der ganze Codex wurde im 16. Jahrhundert von Dominico Irosolimitano in Mantua, einem der aktivsten Zensoren von jüdischen Schriften in Italien, gesichtet. Dieser säuberte jedoch den Text von keiner einzigen Passage, sondern zeichnete lediglich die letzte Seite der Handschrift (f. 112v) und bestätigte damit seine Kontrolle.
(red)
Online seit: 2014-12-18
Zürich, Braginsky Collection, B257
Pergament · 23 ff. · 9.3 x 7 cm · 1719
Perek shira („Kapitel des Liedes“) und Kiddusch-le-jom tow („Heilung [des Weins] am Feiertag“)
Der anonyme Hymnus an den Schöpfer Perek schira ist in über hundert Handschriften überliefert. Die meisten bedeutenden hebräischer Buchillustratoren des 18. Jahrhunderts illustrierten den Hymnus. Die vorliegende Handschrift wurde für Hertz ben Leib Darmstadt aus Frankfurt am Main geschrieben und enthält Federzeichnungen von Meshulam Zimmel ben Moses aus Polna/Böhmen, der aber diese Handschrift wahrscheinlich in Wien verfertigte.
(red)
Online seit: 2014-12-18
Zürich, Braginsky Collection, B259
Pergament · 60 ff. · 13.5 x 10 cm · letztes Drittel des 15. Jahrhunderts
Mischhandschrift zum jüdischen Lebenszyklus
Vermutlich war diese Sammelhandschrift zum jüdischen Lebenszyklus aus dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts ein Hochzeitsgeschenk. Kopiert wurde sie von Leon ben Joschua de Rossi aus Cesena. Es beinhaltet: Gebete für die Beschneidungszeremonie; das Formular eines Heiratsvertrags aus Correggio 1452 (ohne Namenseinträge); Texte zum Hochzeitsritus, dazu einen Hymnus mit dem Akrostichon El'asar; einen Hochzeitsvertrag, 1420 in Parma zwischen Juda, Sohn des Elchanan von Ascoli Piceno, und Stella, Tochter des Solomon von Mantua geschlossen; Friedhofsgebete mit einem für Trauernde bestimmten Tischgebet; ein Ritual zur Vermeidung böser Träume; Ka'arat kesef, ein ethisches Poem des provenzialischen Dichters Jehoseph ben Hanan ben Nathan Ezobi aus dem 13. Jahrhundert; schliesslich – in fremder Hand hinzugefügt – ein persönliches Gebet von Moses Latif für Joab Immanuel Finzi. Gleich anschliessend an den Vertrag findet sich die Darstellung eines Brautpaars (f. 10v). Da Frisur, Kleidung und Schleier der Braut der zeitgenössischen Ferrareser Mode entsprechen, liegt es nahe, dass auch die Handschrift aus Italien stammt, vielleicht sogar aus Ferrara selbst.
(red)
Online seit: 2014-12-18
Zürich, Braginsky Collection, B262
Pergament · 23 ff. · 32 x 20.4 cm · 1730
Haggada mit jiddischer Übersetzung von Chad gadja (Nathan ben Simson von Mezeritsch Haggada)
Diese Pessach Haggada mit einer jiddischen Übersetzung der Hymne Chad gadja (f. 23r) wurde von Nathan ben Simson von Mezeritsch (heute Velke Mezirici, CZ) kopiert und illustriert. Sie enthält u.a. eine geschmückte Titelseite, ein Zyklus mit Darstellungen der Zeremonien des Sederabends des jüdischen Pessach-Fests, neun Textillustrationen und ein Zyklus für den Schlusshymnus Had Gadya (f. 23r).
(red)
Online seit: 2014-12-18