Handschrift in dieser Sammlung wählen: B26  B62 B93  S58  8/80
Standortland:
Standortland
Schweiz
Ort:
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Zürich
Bibliothek / Sammlung:
Bibliothek / Sammlung
Braginsky Collection
Signatur:
Signatur
B67
Handschriftentitel:
Handschriftentitel
Harrison Mischhandschrift
Schlagzeile:
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Pergament · 60 ff. · 14.2 x 9.5 cm · [Korfu] · [um 1720]
Sprache:
Sprache
Hebräisch
Kurzcharakterisierung:
Kurzcharakterisierung
In diesem Codex sind Gebete, Segenssprüche und Gedichte für die Hochzeitszeremonie nach den religiösen Gebräuchen der Juden auf der Insel Korfu enthalten. Weitere Poeme schliessen sich an, einige stammen von Dichtern aus dem Goldenen Zeitalter der Juden im mittelalterlichen Spanien, andere von lokalen Autoren wie Elieser de Mordo. Einen grossen Stellenwert verleiht dieser Handschrift ein Zyklus von 60 ganzseitigen Illustrationen, die in Gouache ausgeführt sind. Die Illustrationen zum Buch Genesis, werden mit erklärenden, vorwiegend Bibelversen entnommenen Inschriften begleitet. Es handelt sich um ein Werk eines Künstlers, der wahrscheinlich in Venedig ausgebildet wurde und der sein Monogramm in unterschiedlicher Schreibweise (MC oder M.C. MF.) fast in alle Illustrationen eingetragen hat. Die begleitenden Texte stehen in keinem direkten Zusammenhang mit den Illustrationen. Die Anordnung der Seiten von links nach rechts lässt vermuten, dass zunächst ein christlicher Künstler malte und erst in einem zweiten Schritt die hebräischen Texte eingetragen wurden. Diese auf der Insel Korfu entstandene Handschrift aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stellte wahrscheinlich ein Brautgeschenk eines Mitglieds der Familie de Mordo dar, die in der Zeit der Verteidigung der venezianischen Oberherrschaft gegen die osmanischen Angriffe keine geringe Rolle spielte. (red)
DOI (Digital Object Identifier):
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10.5076/e-codices-bc-b-0067 (http://dx.doi.org/10.5076/e-codices-bc-b-0067)
Permalink:
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http://e-codices.ch/de/list/one/bc/b-0067
IIIF Manifest URL:
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IIIF Drag-n-drop http://e-codices.ch/metadata/iiif/bc-b-0067/manifest.json
Wie zitieren:
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Zürich, Braginsky Collection, B67: Harrison Mischhandschrift (http://e-codices.ch/de/list/one/bc/b-0067).
Online seit:
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18.12.2014
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e-codices · 27.11.2014, 11:47:21

Ein Zyklus von 60 ganzseitigen Illustrationen zum Buch Genesis verleiht der Harrison-Mischhandschrift ihren einmaligen Stellenwert, denn Ähnliches ist aus nachmittelalterlichen hebräischen Handschriften nicht bekannt. Die hohe Qualität dieser in Gouache ausgeführten Bilder bezeugt die künstlerischen Fähigkeiten eines Illustrators, der möglicherweise in Venedig ausgebildet wurde. Die ganzseitigen Bilder sind jeweils mit erklärenden, vorwiegend Bibelversen entnommenen Inschriften versehen. Zwischen den Illustrationen und Texten besteht allerdings kein direkter Zusammenhang. Auf den meisten Bildseiten und zum Teil auch in den floralen Schmuckbordüren der Textseiten findet sich das Monogramm des Künstlers in verschiedenen Schreibweisen, das in der vollen Form wohl als «M. C. MF.» zu lesen ist. Die von hebräischen Büchern abweichende Anordnung der Buchseiten «von vorne nach hinten» lässt darauf schliessen, dass zunächst ein christlicher Künstler die Harrison Mischhandschrift illustrierte und die hebräischen Texte in einem zweiten Schritt eingetragen wurden.
Lange nahm man für diese nach einem früheren Besitzer benannte Handschrift eine italienische Herkunft an. Inzwischen wurde aber nachgewiesen, dass sie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf der Insel Korfu entstand. Sie enthält Gebete, Segenssprüche und Gedichte für die Hochzeitszeremonie nach den religiösen Gebräuchen der Juden in Korfu. Weitere Poeme schliessen sich an, einige stammen von Dichtern aus dem Goldenen Zeitalter der Juden im mittelalterlichen Spanien, andere von lokalen Autoren wie Elieser de Mordo. Bei der Verteidigung Korfus gegen die osmanischen Angriffe während der venezianischen Oberherrschaft spielte die Familie de Mordo eine nicht geringe Rolle. Bedeutende Ärzte, Rabbiner und Gemeindevorsteher gingen aus ihr hervor. Zwei Ärzte mit Namen Elieser de Mordo sind belegt, die an der Universität von Padua promovierten – der eine 1699, der andere 1765. Ersterer ist wahrscheinlich der Verfasser des Hochzeitspoems, das diese Handschrift enthält. Die Hochzeitsszenen ebenso wie die Frauendarstellungen basieren auf biblischen Geschichten. Wahrscheinlich ist diese Handschrift als Brautgeschenk eines Mitglieds der Familie de Mordo in Auftrag gegeben worden.

Aus: Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 156-157.

e-codices · 27.11.2014, 11:41:38

The most striking aspect of the Harrison Miscellany is its cycle of sixty full-page illustrations from the book of Genesis. Such cycles are otherwise unknown in post-medieval Hebrew manuscripts. The fine-quality illustrations, executed in gouache, are the work of a highly skilled artist, probably trained in Venice. Surrounded by a floral border, each miniature bears a Hebrew inscription, usually a biblical verse, identifying the scene. Facing each of the images are Hebrew prayers, poems, and sayings, unrelated to the illustration. The left-to-right sequence of the paintings indicates they were executed separately from the text, probably by a non-Jewish artist. An unidentified monogram, MC, appears in many of the scenes.
The text consists of prayers, blessings, and poems for a wedding ceremony, following the custom of the Jews of Corfu. Additional poems are by a variety of poets, some by writers of the Hebrew Golden Age in medieval Spain, others by local authors, including Rabbi Eliezer de Mordo. The de Mordos were a prominent Jewish family in Corfu whose members included physicians, rabbis, and community leaders. The family played an important role in the defense of Corfu, then under Venetian rule, against Ottoman invaders. At least two people by the name Eliezer de Mordo graduated as physicians at the university of Padua, in 1699 and 1765, respectively. It seems likely that Rabbi Eliezer de Mordo, whose poems appear in the Harrison Miscellany, is the physician who received his medical diploma in 1699.
Although the illustrations and the texts do not relate directly to one another, the depictions of the wedding scenes based on biblical stories, as well as the frequent representations of women, suggest that this extraordinary manuscript may have been commissioned as a bridal gift, perhaps from a member of the de Mordo family to his bride. Cecil Roth made this manuscript famous by including numerous re- productions of its biblical scenes in the Encyclopaedia Judaica, which he edited. The manuscript, named after its former owner, was identified previously as Italian, probably from the seventeenth century. Later research proved conclusively that it was written in Corfu in the first half of the eighteenth century.

From: A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, S. 108.

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A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 108-113.

Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 156-157.

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Rückseite
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