Frauenfeld, Kantonsbibliothek Thurgau, Y 38a

Dario Binotto, Dörthe Führer, Pauline Jacsont, Mikkel Mangold, Laura Glöckler, Joana Keller, Rudolf Gamper, Katalog der mittelalterlichen Handschriften der Kantonsbibliothek Thurgau, Basel, 2025, S. 101-104.

Per gentile concessione di Schwabe Verlag, Basel, Berlin. Tutti i diritti sono riservati all'editore.
Titolo del codice: Exordium parvum cisterciense; Charta caritatis; Libellus definitionum
Segnatura precedente: M.29
Supporto materiale: Pergament
Dimensioni: 113 Blätter
Formato: 22–22,5 × 15,5–16 cm
Numerazione delle pagine: Neuere Foliierung: 1–113.
Composizione dei fascicoli: (III+3)8 + 13 IV112 + I113. Die Teile 1 und 2 wurden zu einer einzigen Lage zusammengefügt:
  • Teil 1 besteht aus zwei Doppelblättern (1 /5 und 2 /3) und einem Einzelblatt (4),
  • Teil 2 besteht aus den Einzelblättern 6 und 7 sowie dem Zusatzblatt 8, dessen Gegenstück als Spiegelblatt in den Vorderdeckel geklebt wurde, wie auch das letzte Blatt, welches mit Bl. 113 ein Doppelblatt bildet, in den Rückdeckel.
An Bl. 61 ist am äusseren Rand auf der Versoseite ein pergamentenes Zusatzblatt angenäht, siehe ‹Korrekturen und Nachträge›.
Condizione: Riss in Bl. 64 genäht. In Bl. 40 ein Loch, auf beiden Seiten rot umrandet, vgl. auch 30v.
Legatura: Mit hellem Leder bezogene Holzdeckel, 15. Jh. Streicheisenlinien, Rollen- und zwei Einzelstempel (Rosette, zwei Blattkränze, sechsblättrig; konkave Raute). Vorne und hinten je vier Eckbeschläge, darauf entlang den Ecken ziseliert je zweimal: Maria, mit Buckeln, sowie je ein zentrales, blütenförmiges Stück mit Buckel in der Mitte. Ehemals zwei nach vorne greifende Kantenschliessen, die Messingösen im Vorderdeckel und die einfache Befestigung im Rückdeckel mit Lederresten sind erhalten. Nach Bl. 8 und vor Bl. 113 sind die Enden von fünf über den Rücken geführten Pergamentstreifen (Fragmente) sichtbar. Auf dem Vorderdeckel pergamentenes Titelschild: Exordium Cisterciensis ordinis, 15. Jh. Auf dem Rücken: Exordium parvum ordinis Cisterc. et charta charitatis et liber distinctionum, 18. Jh. Zu Beginn der Distinktionen im Liber Definitionum Reste von Signakeln: eingenähten blauen Fäden (22 rot und ausserhalb der Reihe, 41 und 68 nur noch die drei Löcher), gegen hinten von unten nach oben aufsteigend angeordnet. Zwei Lesebänder aus Hanf, oben verknotet, zum Zeitpunkt der Beschreibung (September 2023) eingelegt zwischen Bl. 56/57 bzw. 93/94.
Origine del manoscritto: Alle drei Teile stammen aus dem 13. Jh. Nach Lucet (S. 57f.) enthält der Text mit den Bestimmungen des Generalkapitels von 1257 auch einen Teil der Beschlüsse des folgenden Jahres; separat folgen am Ende von Teil 3 weitere Ergänzungen, überwiegend von 1258, die in der Edition fast alle zu finden, aber nicht für diese Hs. nachgewiesen sind.
Provenienza del manoscritto: Kloster Salem, vgl. den Besitzeintrag von einer Hand des 13. Jhs., 1r: Iste liber est domus beate Marie virginis in Salem. Darunter eine jüngere Inhaltsangabe, neuzeitlich ergänzt; zudem mehrere radierte Zeilen, auch mit UV-Lampe kaum lesbar. Bruckner, S. 19, vermutete, der Band sei bald nach 1250 (noch vor 1260) nach Feldbach gelangt. Der als Einlage überlieferte Zettel des 17. Jhs. (siehe oben) lässt zumindest vermuten, dass der Band sich schon lange im Kanton Thurgau befindet.
Acquisizione del manoscritto: Spätestens seit 1858 unter der Signatur M.29 in der Kantonsbibliothek Thurgau, vgl. im ersten Katalog.
Bibliografia:
  • Katalog 1858, S. 91;
  • Katalog 1886, S. 152, 276;
  • Bruno Griesser, Exordium, Carta caritatis und Institutiones Capituli generalis in einer Salemer Handschrift, in: Cistercienser Chronik 59 (1952), S. 22– 26;
  • Bruckner, Scriptoria 10, S. 19f. und Taf. 7 (a–c);
  • Jean de la Croix Bouton, Jean Baptiste Van Damme, Les plus anciens textes de Cîteaux, Achel 1974, S. 34 (Nr. 45);
  • Bernard Lucet, Les codifications cisterciennes de 1237 et de 1257, Paris 1977, S. 56–58.
Unità codicologica: Teil 1 Bl. 15
Datazione: 13. Jh.
Disposizione della pagina: Stiftliniierung, Punktierungen am äussersten Seitenrand, Schriftraum 17,5 × 11–11,5, zweispaltig (5–6), 35 Zeilen.
Tipo di scrittura e mani: Textualis von einer Hand, 5vb in kleinerer Schrift.
Decorazione: An den Oberlängen der ersten und den Abstrichen der untersten Zeile vereinzelt Zierelemente. Rote Überschriften. Zweizeilige blaue, ab 2v abwechselnd rote und blaue Lombarden.
Aggiunte: In Teil 1 eine Korrektur des Schreibers auf 3v; auf 2va radiert: solita levitate (noch erkennbar), vgl. Bouton / Van Damme, S. 65/6610.
Contenuto:
  • 1ra5rb Exordium parvum. >Prologus in exordio Cysterciensis ordinis< Nos Cistercienses primi huius ecclesie fundatores …–… letificare et corroborare ceperunt. Bouton / Van Damme, S. 54–82, Hs. angegeben (Sigle F), die Varianten jedoch nicht nachgewiesen.
  • 5rb5va Privilegium Calixti II papae. >De abbatiis< Calixtus episcopus servus servorum dei Ad hoc in apostolice sedis regimen …–… Interdicimus autem ne quis conversos laicos, vel professos vestros ad habitandum suscipiat. Anschliessend dreizeilige, jeweils buchstabenweise von oben nach unten (und dann von links nach rechts) zu lesende Subscriptio: Ego Calixtus catholice ecclesie episcopus confirmavi. Bouton / Van Damme, S. 104, Hs. nicht angegeben (vgl. S. 103).
  • 5vb Ordinarium Cisterciense. Kapitel 320 (1. Hälfte). >Institutio sancti Bernhardi quomodo cantare aut psallere debeamus< Venerabilis pater noster Bernhardus …–… maxime tamen festivis diebus. Vgl. etwa UB Heidelberg, Cod. Sal. VII,73, 118r–118v / VIII,11, 270r–270v.
Unità codicologica: Teil 2 Bl. 6-8
Datazione: 13. Jh.
Disposizione della pagina: Stiftliniierung, Punktierungen am äusseren Seitenrand, Schriftraum 17,5 × 11–11,5, 35 Zeilen.
Tipo di scrittura e mani: Textualis von einer Hand, 8r von einer anderen Hand (Ergänzung auf ersetztem Blatt).
Decorazione: Rote Überschriften; 6r ein blaues Paragraphenzeichen. 1–3zeilige rote Lombarden mit blauem Palmettenfleuronné in der Gegenfarbe, 6r eine einzelne Lombarde mit umgekehrten Farben.
Aggiunte: In Teil 2 Korrektur des Schreibers auf 7v.
Contenuto:
  • 6r8r Charta caritatis posterior. >Super cartam caritatis< Antequam abbatie Cistercium florere inciperent …–… previsum fuerit celebrabitur. Frühneuzeitlicher Nachtrag: Explicit charta charitatis. PL 166, col. 1377– 1384; vgl. Bouton / Van Damme, S. 132–142.
  • 8v leer.
Unità codicologica: Teil 3 Bl. 9-113
Datazione: um 1260
Disposizione della pagina: Tintenliniierung, Punktierungen am äussersten Seitenrand, Schriftraum 14,5 × 10–10,5, 17 Zeilen, ab 107r 29.
Tipo di scrittura e mani: Textualis wohl von einer Hand.
Decorazione: In der Kopfzeile Distinktioneneinteilung in auffällig kleiner Schrift mit brauner Tinte. Zählung der Artikel am äusseren Rand in Rot. Rote Überschriften. Einzeilige, abwechselnd rote und blaue Lombarden mit Palmettenfleuronné in der Gegenfarbe oder auch zweifarbig, teils durch Schraffur moduliert, dann meist mit spitzen Auswüchsen (pointing-finger-Motiv) und Fadenranken. 9r eine dreizeilige rote Initiale mit zweifarbigem Fleuronné, am unteren Seitenrand ein rot-blauer Fleuronnéstab (ausgehend von einer Lombarde); 15r eine rot-blau ornamental gespaltene Initiale mit wiederum zweifarbigem Palmettenfleuronné; 60r ein zweiseitiger Fleuronnéstab, am linken und am unteren Rand.
Aggiunte:
  • Korrekturen des Schreibers von Teil 3 z. B. auf 13v, dort auch wieder eine Rasur, sowie 22v (Ergänzung mit rotem Einfügezeichen) und 55r, 89r oder 95r (interlineare Ergänzungen). Am unteren Rand von 24r eine Anmerkung des Schreibers in Rot: Item de eodem quere in fine libri de quibusdam exceptionibus, vgl. Lucet, S. 221 bzw. 113v den zeitgenössischen Nachtrag und zu letzterem auch Bruckner, S. 20, der diesen nach Feldbach lokalisieren möchte. 61v zwei radierte Ergänzungen des Schreibers am Rand, zudem 6 Löcher einer Naht, sowie ein schliesslich angenähtes grösseres Pergamentstück (siehe auch ‹Lagen›) mit neuem Text von anderer Hand: Quicumque eciam de ordine literas impetraverit sigillum appendat, vgl. dazu Lucet, S. 57 und den Text 284f.
  • Am Rand 21v in Rot: va-cat (d. 2, c. 9: De rasuris), vgl. Lucet, S. 216; 60r Korrektur und Ergänzung (nach Ez 34,11–12) vielleicht von der gleichen Hand wohl des 14. Jhs., die auch 64r und 86v je ein Statut (d. 7, c. 8 resp. d. 11, c. 7) auf 1259 oder 47r und 87r (d. 5, c. 7 resp. d. 11, c. 8) auf 1260 datierte, 66v sogar auf 1286 mit dem Zusatz: va-cat (d. 7, c. 15, 2. Teil), vgl. Lucet, S. 290, 328, 263 (ohne Nachweis), 329 und 295.
  • Zu Beginn der Hs. einige Marginalien zur Erschliessung des Inhalts von einer Hand wohl des 17. Jhs., auch Korrekturen, z. B. 12v und 13r (auf Rasur).
  • Viele der Articuli in Teil 3 sind am Rand mit einem roten Kreuz markiert, 70r zudem eine Akkolade.
  • Im hinteren Spiegel Federprobe.
  • Eingelegt zwischen Bl. 31/32 wurde ein doppelt gefalteter Zettel (Papier) gefunden, von einer Hand des 17. Jhs.: Ußzug uß dem Urbario der Pfarrpfruond Gachnang: Item ein Mul kernen Frauwenfelder Mäß, ein guldin und fünff schilling pfening, gibt Hans Äberlis von Gerlicken Hof, welchen der Zeit Wolff Kübler innhait.
Contenuto:
  • 9r15r Charta caritatis posterior. >Incipit prologus in cartam caritatis< Antequam abbatie Cistercienses florere inciperent …–… previsum fuerit celebretur. PL 166, col. 1377–1384; vgl. Bouton / Van Damme, S. 132–142.
  • 15r106v Libellus definitionum. Retractatio von 1257 mit Ergänzungen von 1258. >Incipiunt prenotationes sequencium distinctionum< Ut de facili quod querit lector inveniat, diligenter attendat >De numero distinctionum<. 15v Prima distinctio agit de abbatia construenda Quindecima de monialibus. >Versus de eodem<. Construit atque facit canit indulget generale 3 Hexameter. 16r >Incipiunt diffinitiones capituli generalis edite anno domini moccolmovio. Incipiunt capitula prime distinctionis<. I. De cenobiis ubi construantur et ecclesiis in cuius honore dedicentur. II. De turribus lapideis 16v Incipit prima distinctio que agit de abbatia construenda et ecclesia >De cenobiis ubi construantur et ecclesiis in cuius honore dedicentur<. In civitatibus castellis villis 30r Incipit quarta distinctio que agit de immunitatibus privilegiis indulgentiis excommunicationibus et causis ordinis …–… 106r >Decretum<. Districte precipitur a capitulo diffinitam. >Expliciunt diffiniciones capituli generalis.<
    19r Dist. 2, 21v Dist. 3; 30r Privilegia; 38v Privilegia Alexandri IV papae; 41r Dist. 4, 44v Dist. 5, 53r Dist. 6, 59r Dist. 7, 68r Dist. 8, 71v Dist. 9, 76r Dist. 10, 85r Dist. 11, 87v Dist. 12, 88r Dist. 13, 91r Dist. 14, 101v Dist. 15. Edition: Lucet, S. 205–356, mit (inhaltl.) Varianten dieser Hs. (Sigle Fd); die Privilegia mit einigen strukturellen Abweichungen, erwähnenswert in Ergänzung der Edition: P IV 20 (vgl. Lucet, S. 243) folgt hier (34v) erst nach P IV 22, der Anfang von P IV 34 folgt erst am Schluss der Reihe (38r–38v), vor den Privilegien Alexanders IV.; eine besondere Ergänzung zudem auf 61v (siehe ‹Korrekturen und Nachträge›).
  • 106v111r Causae poenabiles. Repertorium für den vorangehenden und den folgenden Text, 19 Rubriken (zuerst die Äbte, dann Mönche und Konversen), die Causae darunter jeweils fortlaufend nach Distinktionen und Kapiteln. >Nota quare abbas deponatur< Pro fundatione, vel translacione, vel commutacione, vel incorporacione abbatie, Dist. ia, capitulo vo (vgl. 17r) 107r >Quare abbas sit extra stallum<. Si scripserit domino pape nisi pro causis propriis et quorundam aliorum, Dist. ixa, co iio (vgl. 72v) …–… 110v >Quare sint ultimi monachi et conversi<. Si fecerint sortilegium, Dist. via, co ixo (vgl. 56v) Si aliqui deberint familie visitatorum. In annalibus eodem anno [i. e. 1258], co xviiio (vgl. 113r).
  • 111r113v Definitiones annales. Ergänzungen der Jahre 1257–1260. >Incipiunt diffinitiones annales< Anno domini mccolviiio statuta sunt apud Cystercium tempore capituli generalis. >Capitulum im<. Cum excessus vocum in cantu dehonestent multipliciter ordinis honestatem >iim<. Item, cum effrenatam multitudinem monachorum >iiim<. Item, diffinitioni ad peticionem domini pape de cappis, tunicis, et dalmaticis utendis anno preterito facte …–… 113r Item per totum ordinem persolvatur. 20 Abschnitte, zu Nr. 1–11, 13, 14 und 18 vgl. Lucet, S. 70–73: 1258, 2 (III 2, S. 218f., ohne Nachweis dieser Hs. bzw. nur mit Wiedergabe der verkürzten Version 22v–23r als Anm. 1), 3 (V 6, S. 262f., der Abschnitt fehlt 47r), 5 (I 8, vgl. Anm. 3 auf S. 210), 7 (X 12, S. 71), 8 (X 10, vgl. Anm. 1 auf S. 318), 9 (IX 13, S. 311, Anm. 3),10 (VII 11, vgl. Anm. 4 auf S. 293), 12 (ohne Textnachweis), 13 (IX 8, vgl. Anm. 2 auf S. 307), 14 (V 11, S. 266f.), 15 (VII 15, vgl. Anm. 2 auf S. 295), 17 (VI 13, vgl. Anm. 2 auf S. 278), 18 (XV 11, vgl. Anm. 2 auf S. 355) und 22 (VII 1, Textnachweis auf S. 132); zu Nr. 15–17 und 19 (VII 9, XIII 11, III 15 und IX 8) siehe S. 291 (Anm. 1), 336 (Anm. 3 zu Hs. B), 224 (letzter Abschn. von Anm. 2) und 160 (1258, 23) bzw. 308 (Anm. 3); zu Nr. 12 und 20 keine Nachweise.
    • Anschliessend von anderer Hand als Nachtrag: 113v Anno domini mo cco lx statuta sunt hec in capitulo generali. Cum ad honorem gloriose virginis capitulum generale duxerit statuendum, quod Sabbatis de eadem cantari consuevit pro aliqua missa que …–… prius edita non obstante. Vgl. den Hinweis 24r bzw. Lucet, S. 221.