Fribourg/Freiburg, Couvent des Cordeliers/Franziskanerkloster, Ms. 1
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Führer Dörthe/ Mangold Mikkel, Katalog der mittelalterlichen Handschriften des Franziskanerklosters Freiburg, Basel, 2023, S. 56-58.
Avec l'aimable permission de Schwabe Verlag, Basel, Berlin. L'éditeur détient l'ensemble des droits de publication.
Titre du manuscrit: Psalterium
Période: 15. Jahrhundert
Support: Pergament
Volume:
125 Blätter
Format: 47–48 × 36–36,5 cm
Numérotation des pages: Neuere Foliierung mit Bleistift: 1–121.
Composition des cahiers:
(IV-2)6 + (IV-3)11 + (II-1)14 + (IV-1)21 + 2 IV37 + (IV-1)44 + 5 IV84 + (IV-1)91 + 3 IV115 + (IV–I)121 + (III-6) + (IV-8), nach Bl. 2 zwei Blätter herausgeschnitten, nach Bl. 6 drei, nach Bl. 13, 18, 43 und 88 je eines, Bundstege modern ergänzt (siehe Einband); mittleres Doppelblatt der letzten erhaltenen Lage fehlt, am Ende zwei ganze Lagen herausgeschnitten, Textverlust. Reklamanten, häufig verziert (siehe Ausstattung).
Etat: An vielen Blättern Streifen vom Rand abgeschnitten: Bl. 1–6, 19 und 94 unten, Bl. 1f., 4, 8, 13, 46, 57–59, 64, 66, 84, 109 und 112 aussen, Bl. 6–8 und 47 rechteckige Stücke unter einzelnen Kolumnen, modern geflickt; ausserdem mehrere Blattecken ergänzt. Ab Bl. 53 Tinte abschnittsweise zersetzt und abgefallen, vor allem auf den Haarseiten.
Mise en page:
Tintenliniierung, Schriftraum 31,5–32,5 × 24,5–25,5 zweispaltig (10–11,5), 21 Zeilen, teilweise mit Notenschema (7 Zeilen).
Type d'écritures et copistes:
Textualis formata.
Notation musicale: Quadratnotation auf vier roten Linien.
Décoration:
Rubriziert, Überschriften in Rot, 15ra rote Unterstreichung. Majuskeln z. T. gelb gefüllt, an den Versanfängen einzeilige Lombarden mit Punktverdickungen, abwechselnd rot und blau; zu Beginn der Lesungen und vereinzelt auch in den notierten Abschnitten zweizeilige Initialen, abwechselnd rot und blau mit Fleuronné in der jeweils anderen Farbe; sonst in den notierten Abschnitten 1–2zeilige, kadellenartige Initialen in Schwarz (6ra Gold, zu Laurentius), mehrfarbig laviert mit Gelb, Grün, Blau (bis 6ra) und Rosa (bis 14va), ab 6rb zunehmend häufiger mit fratzenhaften Profilskizzen mit roten Lippen; dieselbe Art von Verzierungen auch an den Reklamanten. 3–4zeilige blau-rote Spaltleisteninitialen, 15ra und 77ra mit Flächenfüllung aus rotem und schwarzem Fleuronné, 56va mit Fleuronnéstab, 67rb, 90ra, 101rb, 121vb Binnenfeld gefüllt mit Vierpassmuster in Rot, Weiss, Schwarz und z. T. auch Grün, 44rb mit grün/rot und blau/rot gespaltenem Schaft, Binnenfeld halbseitig mit schwarzem Fleuronné bzw. Vierpassmuster in Rot, Weiss und Schwarz gefüllt; 16rb (Beatus vir) sechszeilig mit Fleuronnéstab, die ersten drei Wörter in roten und blauen Majuskeln mit Fleuronné, zweispaltig angeordnet.
Ajouts: 114va Rasur. Am Kopf vieler Seiten mit braunem Stift Angabe des Officiums, 19./20. Jh., z. B.: 16v Dom. ad Matut., 35r In feriis ad Primam, 44r fer. 2 ad Matut. Von der gleichen Hand neben der Kolumne in Tinte: 33rb feria 6ta, 34va feria 5ta.
Reliure:
- 1998–2000 restauriert durch Pater Otho Raymann (Fotografien: ACCFribourg, Bibliothek R3). Mit weissem Leder bezogene Holzdeckel, 15. Jh., Kanten aussen im mittleren Drittel, innen durchgehend abgeschrägt. Ehemals zwei nach vorn greifende Langriemenschliessen, je zwei rechteckige Beschläge auf dem Rückdeckel und Messingstifte im Vorderdeckel bei der Restaurierung ersetzt, Riemen und Ösen neu ergänzt. Rücken und blau-weisse Kapitale neu nach Vorbild des Originals, die ersetzten Teile liegen der Hs. bei. Neue Spiegel- und Vorsatzblätter (I, 124) Papier, im Spiegel hinten zwei Papiertaschen für Fragmente; alte Spiegelblätter (122f.) Pergament, abgelöst und hinten eingebunden: das ehemals vordere mit Federzeichnung (Kopf); das hintere Fragment (Urkunde?), 15. Jh., jüngere gotische Kursive mit Schleifen, ein grosses, rechteckiges Stück davon weggeschnitten. Am inneren Rand der Urkunde Abklatsch von zwei Blättern einer zweispaltig angelegten Buchhandschrift in Textualis des 13./14. Jhs.
- Unter den Spiegelblättern ehemals zwei Hälften eines Doppelblatts aus Pergament, dazu drei weitere, kleinere Fragmente eines Blattes derselben Hs., 13./14. Jh.: Bibel, Dn 13,8–38 und 13,38–14,1; Ioel 2,21–3,14 und Ioel 3,14 bis Amos (zwei Prologe: RB 515; Donatien Bruyne, Préfaces de la Bible latine, Namur 1920, S. 137f., und ein weiterer, anfangs wie RB 512, später stark abweichend) sowie Ier 7,4–18; Schriftraum 19 × 13,5, zweispaltig (6,5), 40 Zeilen; Textualis; zweizeilige blaue Initialen mit rotem Fleuronné und rot-blauen Fleuronnéstäben am Kapitelanfang, vierzeilige blaue Initialen mit roten Knospen auf rosa und goldenem Grund am Buchanfang.
- Ausserdem drei Fragmente einer liturgischen Hs. des 15. Jhs. mit Quadratnotation im Vierlinienschema und drei weitere kleine Stücke.
- Ehemals Signakel an Bl. 16 (Beatus vir), 18, 20, 21, 25, 27 unten, 28, 34, 36, 48, 53, 60, 61, 65 unten, 71, 79 unten, 87, 90, 93 unten, 97 und 101, bei der Restaurierung entfernt, vgl. Leisibach, Iter Helveticum II, S. 90.
Sommaire:
- Ir-v leer.
- 1ra–14va Invitatoria. >Ad laudem, gloriam et honorem omnipotentis dei ac gloriose virginis Marie sanctissimique confessoris beati Francisci fundatoris nostri. Incipiunt invitatoria cum suis Venite tocius anni. Et primo dominica secunda adventus< Surgite vigilemus …–… si introibunt in requiem meam. >Versus<. Gloria patri … in secula seculorum. Amen. Evangelisten (2vb), Epiphanie (3vb), Jungfrauen (9ra), Heilige der Osterzeit (11ra) und zwei weitere Feste (3ra und 7ra, Anfänge und Rubriken fehlen aufgrund von Blattverlust) mit Ps 94 in unterschiedlichen Vertonungen. Temporale, Sanctorale und Commune ohne erkennbare Ordnung gemischt.
- 14vb leer.
- 15ra–121vb Psalterium feriatum. Sonntag–Samstag, jeweils Matutin und Laudes, mit eingeschaltetem Ordinarium der Prim. Zum Schluss Terz, Sext, Non und Vesper. Auf die meist gruppenweise angeordneten Psalmen folgen jeweils die Anfänge von Antiphonen, Versikel und Responsorien, dazwischen einige Hymnen. In nomine sancte trinitatis. Amen. In dominicis diebus ad nocturnum cantatur hymnus Primo dierum omnium a Kalendis octobris usque ad adventum et ab octava epiphanie usque ad primam dominicam Quadragesime … >Hympnus<. Primo dierum omnium … AH 51, Nr. 23 und 24, anschliessend 16ra: >Antiphona.< Veniet ecce … 16rb >Psalmus.< Beatus vir … Ps 1–3; 6–20; 92; 99; 62; 66. Canticum trium puerorum (Dn 3,57–88). Ps 148–150. AH 50, Nr. 4 (Doxologie AH 51 Nr. 41); AH 51, Nr. 31. Canticum Zachariae (Lc 1,68–79). AH 51, Nr. 41, mit zwei verschiedenen Melodien. Ps 21–25; 53; 117; 118,1–32. Symbolum Athanasianum. 40ra Ordinarium der Prim, darin enthalten: 40va >Confessio.< Confiteor deo omnipotenti et beate Marie semper virgini et beato Francisco … 43vb AH 51, Nr. 23 (Doxologie AH 50, Nr. 18). Ps 26–37; 5. Canticum Isaie (Is 12,1–6). AH 50, Nr. 5; AH 51, Nr. 26. Ps 38–41; 43–49; 51; 50; 42. Canticum Ezechiae (Is 38,10–20). AH 50, Nr. 22; AH 51, Nr. 27 (Doxologie AH 50, Nr. 18). Ps 52; 54–61; 63; 65; 67; 64. Canticum Annae (I Sm 2,1–10). AH 50, Nr. 23 (Doxologie AH 50, Nr. 226); AH 51, Nr. 28 (Doxologie AH 50, Nr. 18). Ps 68–79; 89. AH 50, Nr. 24 (Doxologie AH 50, Nr. 18); AH 51, Nr. 29. Ps 80–88; 93. 96va >In epiphania domini antiphona< Venite adoremus … Anschliessend in Rot: >Post duos versus psalmi semper alcius reiteratur antiphona, excepto quod quando venitur ad versum Venite adoremus et procidamus cantatur antiphona loco uersus. Et post ultimum versum qui singulariter dicitur, reiteratur antiphona similiter. Deinde Gloria patri et Sicut erat, et reiteratur antiphona.< Ps 94–96; 142. Canticum Domine exaudi (Hab 3,2–19). AH 51, Nr. 32 (Doxologie AH 50, Nr. 226); AH 51, Nr. 30 (Doxologie AH 50, Nr. 18). Ps 97–108; 91. Canticum Moysis (Dt 32,1–43). AH 51, Nr. 33 (Doxologie AH 50, Nr. 226); AH 50, Nr. 18. Ps 118,33–80. AH 50, Nr. 19 (Doxologie AH 50, Nr. 18). 118va Ps 118,81–93 in eter//, Blattverlust. 119ra AH 50, Nr. 20 (Doxologie AH 50, Nr. 18). Ps 118,129–176. 121vb Ps 109,1–3 in splendoribus sanctorum //, Blattverlust. 42rb Montag, 54vb Dienstag, 66vb Mittwoch, 76va Donnerstag, 89va Freitag, 100vb Samstag.
- 122r-124v leer.
Origine du manuscrit: Die Hs. wurde offenbar für eine Franziskanergemeinschaft geschrieben, vgl. 1ra, auch in der Confessio (40va) wird Franziskus gesondert aufgeführt. Der Buchschmuck gleicht der Hs. Vevey, Musée historique, 1346 auf deren ergänzten S. 521–523 und 715–718. Da diese Bände speziell für das 1484/85 gegründete Berner Chorherrenstift St. Vinzenz angefertigt wurden (Joseph Leisibach, Die Antiphonare des Berner Münsters St. Vinzenz, in: Zeitschrift für Schweizerische Kirchengeschichte 83 (1989), S. 177–200), ist eine Entstehung von Ms 1 im Berner Raum und im letzten Viertel des 15. Jhs. wahrscheinlich.
Bibliographie:
- Bruckner, Scriptoria 11, S. 95 mit Anm. 47;
- Leisibach, Iter Helveticum II, S. 89f., Nr. 28.