Frauenfeld, Kantonsbibliothek Thurgau, Y 18
©
Dario Binotto, Dörthe Führer, Pauline Jacsont, Mikkel Mangold, Laura Glöckler, Joana Keller, Rudolf Gamper, Katalog der mittelalterlichen Handschriften der Kantonsbibliothek Thurgau, Basel, 2025, S. 61-63.
By courtesy of Schwabe Verlag, Basel, Berlin. The manuscript description is copyrighted by the publisher.
Manuscript title: Biblia latina
Place of origin: Oberrhein
Date of origin: 14. Jahrhundert
Former shelfmark:
M.9
Support: Pergament
Extent:
494 Blätter
Format: 28,5 × 19 cm
Foliation: Alte Foliierung mit Tinte, 15. Jh., modern ergänzt: [I]. 1–104. 104[a]–490. [491. 492].
Collation:
48 V479 + VI490. Lagenzählung am Ende der Lagen, zuerst unten rechts: 1 (9v), 2 (19v); danach mittig: iiius (29v) – xviiius (178v), x (188v), xxus (198v) – xxvus (248v), xxvius (258v) – lus (490v), im falsch gezählten Bereich anfangs mit roter Tinte korrigiert; selten Reklamanten (z. B. 19v, 29v und 39v), danach sicherlich beschnitten; beides öfters mit Tinte gerahmt.
Condition: Löcher von der Pergamentherstellung, teils genäht (z. B. Bl. 47) oder mit Pergament geflickt (z. B. Bl. 210), ausserdem dünne Stellen bis hin zu Löchern durch zu starkes Spannen/Schaben bei der Herstellung (z. B. Bl. 188). Erste Lage fleckig.
Page layout:
Tintenliniierung, Begrenzung des Schriftraums mit Tinte, oben und unten Doppellinien, 90r–101r Doppellinien für die Abschnittszählung auf den Rand ausgezogen; Schriftraum 19,5–20 × 12,5–13, 51 Zeilen.
Writing and hands:
Textualis von einer Hand.
Decoration:
- Rote Kopftitel in Unziale zwischen zwei roten Linien (Vorgaben mit Stift), 1r Goldschrift. Rote Strichelung, Incipits, Explicits und Abschnittszählung in Rot. Vorgaben in Tinte (am Buchanfang jeweils auch für die Kopftitel), teils nicht ausgeführt. Ausserdem stellenweise numerische und alphabetische Abschnittsmarkierungen in Rot. In der ersten Zeile vereinzelt gotische Majuskeln, teils mit Fleuronné und floralen Verzierungen in Tinte und roten Konturbegleitstrichen, z. B. 7r, 111r, 249r, 477v.
- 201v–224r (Psalmen) und 233r (Prv 31,1–31) abwechselnd rote und blaue einzeilige Lombarden. Hierarchisierte Fleuronnéinitialen, an hervorgehobenen Stellen häufig mit verzierten, die 256v, 339r, 348r, 349r und 479r in Gesichtsdarstellungen auslaufen: An den Kapitelanfängen dreizeilig, abwechselnd rot und blau mit Fleuronné in der jeweiligen Gegenfarbe. An den Prologen meist 7–8zeilig in Rot und Blau mit floralen Schaftaussparungen (z. B. 177v, 181v, 191v). An den Buchanfängen 7–22zeilig in Rot und Blau, selten Grün (z. B. 113r, 125v); 18v (Exodus) im Binnenfeld Blattgold mit roten Verzierungen; in den Schaftaussparungen florale und figürliche Federzeichnungen: 42r und 339v menschliche Gesichter; 42r, 90v, 148v, 178r, 243r, 258v, 277r, 304v, 355v und 432r Fabelwesen und Tiere mit anthropomorphen Elementen, grau-grün laviert, Gesichter mit farbigen Details; farbige Figuren in naturalistischem Stil: 172r Josias, 236r Geliebte des Hohelieds, 341r Amos; 299v (Lamentationes Jeremiae) Jagdszene (Jäger mit Horn, Hunde, Hase); 137v auf dem Rand ein Medaillon mit einem Mann, der eine Schriftrolle liest. 1r stark vergrösserte I-Initiale in Muschelgold mit Besatzmotiven in roter Tinte, auslaufend in dreiblättrige blaue, grüne und rote Blumen, im Buchstabenkörper fünf Medaillons (Gesichtsdarstellungen, die drei mittleren auf blauem Grund). Am Rand vereinzelt kleine, mit der Feder gezeichnete Drolerien (Grylle, Hunde, Drachen etc.), z. B. 140v, 208r.
Additions:
- Wenige Korrekturen des Schreibers, z. B. 1r, 100v, 281r, 434r, teils in Rot oder Schwarz umrandet, z. B. 2v und 47r. Viele Rasuren.
- Korrekturen wohl von der Hand des Rubrikators, manchmal in Rot, z. B. 1r (Einfügung und Streichung an der vergoldeten Schrift des Kopftitels) und 37r.
- Iv wurde der Prolog zum Pentateuch von einer zeitgenössischen Hand ergänzt.
- Ab 178r (Tobias) Handweiser und Marginalien zur Gliederung des Textes von einer Hand des 15. Jhs. Ausserdem Korrekturen, Notazeichen und Marginalien von anderen Händen des 14. und 15. Jhs.: 31v Numerus autem argenti de donariis populi centum talentorum et mille septingentorum septuaginta quinque siclorum ad mensuram sanctuarii medius siclus per capita singulorum (Ex 38,24), vgl. Weber/Gryson S. 132; 448v zwei Glossen mit Berufung auf Nicolaus de Lyra; 490v … solvit xxxii f[lorenos], 15. Jh.; 84v, 233r, 267r, 457r und 483v Korrekturen an den Initialen.
- 56v–79r Überschriften und Angaben zum liturgischen Ort in schwarzer Tinte, 16./17. Jh.
- Ir Invokation: Ora pro nobis Mater amata, wohl 17. Jh.
Binding:
- Mit hellem Leder bezogene Holzdeckel, 16./17. Jh., Kanten im mittleren Bereich abgeschrägt. Streicheisenlinien, Einzel- und Rollenstempel. Auf dem Vorder- und Rückdeckel jeweils ein rechteckiges Stück des Bezugsleders ausgeschnitten und dann wieder aufgeklebt. Zwei nach vorne greifende Kantenschliessen, Beschlagteile Messing. Falsche Kapitale, Pergament, rot-grün-weiss umstochen.
- Spiegelblätter Pergament, Fragmente: Graduale, 15. Jh., vorne: >Versiculus<. Vidi[mus enim] stellam eius in ori[en]te, et venimus adorar[e eum] (Mt 2,2); >Offertorium<. Reges Tharsis et i[nsulae mu]nera offerent; reges Ara[bum], hinten: Alleluia. Dies sanctifica[tus illuxit] nobis, venite gentes et adorate dominum, quia ho[die] descendit lux magna (Ps 71,10). >Offertorium<. Tui sunt celi et tua // (Weihnachtsmesse).
- Nachsatzblätter (Bl. 491–492) Papier, Wasserzeichen: Bär, Piccard, Wasserzeichenkartei Nr. 84137 (1547).
- Spuren von abgelösten Signakeln zu Beginn der einzelnen Bücher. Auf dem Buchrücken oben Aufschrift: Biblia scripta in membrana, unten zwei übereinander geklebte Signaturschilder, das untere blau gerahmt, das obere schwarz: Y. 18, Kant.-Bibliothek Thurgau.
Contents:
-
Iv-380v
Vetus Testamentum.
- Prolog, Nachtrag: >Incipit prologus beati Ieronimi prespiteri in Pentateucum Moysi< Desiderii mei … RB 285.
-
(1r)
Text:
>Incipit liber Genesis primus<
(korrigiert zu: Incipit liber Bresith id est Genesis).
In principio creavit …–…
hic erit consumatus.
Iv Gn; 18v Ex; 32v Lv; 42r Nm; 56v Dt; 69v Ios mit Prol. RB 311; 79r Idc; 88v Rt; 90r I Sm mit Prol. RB 323; 103v II Sm; 113r III Rg; 125v IV Rg; 137r I Par mit Prol. RB 328; 148r II Par mit Prol. RB 327; 162r I Esr mit Prol. RB 330; 166v II Esr; 172r III Esr; 177v Tb mit Prol. RB 332; 181v Idt mit Prol. RB 335; 186v Est mit Prol. RB 341; 191v Iob mit Prol. RB 344; 201v Ps; 225r Prv mit Prol. RB 457; 233r Ecl mit Prol. RB 462; 236r Ct; 237v Sap; 243r Sir mit Prol. RB 26; 258v Is mit Prol. RB 482; 277r Ier mit Prol. RB 487; 299v Lam; 301v Bar mit Prol. RB 491; 304v Ez mit Prol. RB 492; 326r Dn mit Prol. RB 494; 335v Os mit Prol. RB 500, 501, 506; 339r Ioel mit Prol. RB 508, 511, 510 (teilweise); 340v Am mit Prol. RB 515, 512; 343r Abd mit Prol. RB 519, 517, 516; 344r Ion mit Prol. RB 524, 522; 345r Mi mit Prol. RB 526, 525; 347r Na mit Prol. RB 528, 527; 348r Hab mit Prol. RB 530, 529; 349r So mit Prol. RB 534, 532; 350r Agg mit Prol. RB 538, 535; 351r Za mit Prol. RB 539, 540; 355r Mal mit Prol. RB 543, 544; 356v I Mcc mit Prol. RB 552; 371r II Mcc.
-
381r-490v
Novum Testamentum.
- Prolog: Matheus ex Iudea, sicut in ordine primus ponitur …
-
Text:
Liber generacionis Ihesu …–…
Gracia domini nostri Ihesu Christi cum omnibus vobis. Amen.
381r Mt mit Prol. RB 590, 601, 595; 395r Mc mit Prol. RB 607; 404r Lc mit Prol. RB 620; 419v Io mit Prol. RB 624; 430v Rm mit Prol. RB 670, 674; 437v I Cor mit Prol. RB 690, 685; 443r II Cor mit Prol. RB 697, 695; 447r Gal mit Prol. RB 707; 449r Eph mit Prol. RB 715; 450v Phil mit Prol. RB 728; 452r Col mit Prol. RB 736; 453v I Th mit Prol. RB 748; 454v II Th mit Prol. RB 752; 455v I Tim mit Prol. RB 765; 457r II Tim mit Prol. RB 772; 458r Tit mit Prol. RB 780; 458v Phlm mit Prol. RB 783; 459r Hbr mit Prol. RB 794; 463r Act mit Prol. RB 640, 633, 631; 477r Iac mit Prol. RB 807, 806, 809; 479r I Pt mit Prol. RB 816; 480v II Pt; 481v I Io mit Prol. RB 822; 483r II Io mit Prol. RB 823; 483r III Io mit Prol. RB 824; 483v Iud mit Prol. RB 825; 484r Apc mit Prol. RB 835, 829.
Origin of the manuscript: Nach den Initialen ist die Hs. im 14. Jh. im oberrheinischen Raum entstanden (vgl. Beer, Beiträge, S. 27–29 [Gruppe 5]).
Acquisition of the manuscript:
Spätestens seit 1858 unter der Signatur M.9 in der Kantonsbibliothek Thurgau, vgl. Katalog (siehe ‹Literatur›). Bruckner, S. 37, vermutete eine Ittinger Provenienz der Hs., insb. mit Verweis auf eine Bücherschenkung des 15. Jhs., wo allerdings eine Bibel aus zwei Bänden erwähnt wird, während diese Hs. stets in einem Band gebunden war.
Bibliography:
- Katalog 1858, S. 90;
- Katalog 1886, S. 151, 219;
- Bruckner, Scriptoria 10, S. 37.