Für diese Handschrift sind folgende Beschreibungen vorhanden

  • Scarpatetti Beat Matthias von, Die Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen, Bd. 2: Abt. III/2: Codices 450-546: Liturgica, Libri precum, deutsche Gebetbücher, Spiritualia, Musikhandschriften 9.-16. Jahrhundert, Wiesbaden 2008, S. 9-12.
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  • Scherrer Gustav, Verzeichniss der Handschriften der Stiftsbibliothek von St. Gallen, Halle 1875, S. 147.
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St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 452
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Scarpatetti Beat Matthias von, Die Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen, Bd. 2: Abt. III/2: Codices 450-546: Liturgica, Libri precum, deutsche Gebetbücher, Spiritualia, Musikhandschriften 9.-16. Jahrhundert, Wiesbaden 2008, S. 9-12.

Handschriftentitel:
  • Regel des hl. Benedikt
  • Martyrologium Romanum mit St. Galler Nekrolog
Entstehungszeit: 1542/1543
Frühere Signatur: S. n. 61 p. 3
Beschreibstoff: Starkes Kalbspergament guter Qualität; die Bogen sind breitseits sehr variabel oder gar krumm geschnitten, teilweise bis zu 2 cm kürzer als der Buchblock.
Umfang: 268 Seiten
Format: 32 x 19/20
Seitennummerierung: Paginierung I. v. A. mit roter Tinte.
Lagenstruktur: Quaternionen, ausser I[-1]1-2, das zweite Blatt weggeschnitten, IV[-1]67-82, Blatt p. 81/82 ist bis auf die Z. 1-3 von oben abgeschnitten; ihr Rest ist auf ein neues, wohl zeitgenössisch eingehängtes Blatt aufgeklebt; ob der Text p. 81, Z. 3 abbricht, ist nicht klar; IV[-3]259-268, nach Textende zwei Blätter weggeschnitten, das letzte als Spiegelblatt aufgeklebt. Wortreklamanten am Schluss jeder Lage, vom Schreiber vertikal angebracht, in der Regula mit schwarzer, im Martyrologium je nach Textanfang mit roter oder schwarzer Tinte.
Seiteneinrichtung:
  • Die Regula Benedicti p. 1[5]-81 zweispaltig 22/22,5 x 13/14 (6/6,5), 29-30 Z.,
  • das Martyrologium p. 83-267 einspaltig, flüchtiger angelegt, mit unten teilweise frei auslaufender Linierung bzw. Zeilenzahl, 19/23 x 10/13 und var., 32-40 Z. und var. Linierung beider Teile mit rotbraunem Stift, im ersten Teil Zirkellöcher sichtbar.
Schrift und Hände:
  • Der ganze Band von der charakteristischen Semi-Bastarda des Bischofszeller Kanonikers und Schreibers für Abt Diethelm Blarer, Fridolin Sicher. Ausführung hier mit mittlerem Sorgfalts- und Aufwandsgrad, stets aber mit dem Haarstrichdekor des 16. Jhs. Weiteres zur Schrift Sichers s. unter Codd. 532-539, bes. Cod. 532.
  • Datierung und Subskription p. 72a: Peractum per me Fridolinum Sicherum Canonicum jn Cella episcopali ac Capellanum S[ancti]Jacobi extra muros Opidi S[ancti] Galli vigilia exaltationis S[anctae] Crucis et finitum anno 1542 [13. Sept.], und ebenso p. 267: Fridolinus 1543 Sicher. Zu Sicher CMD-CH III, Schreiberverzeichnis p. 310 (Biogr., Lit.; s. u.).
Buchschmuck:
  • Zu Anfang der Regula p. 5a Init. orn. mit Blattgold und dem Wappen des Abtes Diethelm Blarer, einem roten Hahn im ungeteilten weissen Schild, p. 8b eine weitere Init. orn. mit Blatt- oder Pinselgold und dem üblichen st. gallisch-toggenburgischen Abteiwappen, flüchtig gemalt.
  • 2-zeilige rote Lombarden und rubrizierte Kapiteltitel sowie Paragraphenzeichen; im Martyrologium auch 1-zeilige Lombarden, im Kalendar das rote K zu Monatsbeginn ususgemäss oblong.
Spätere Ergänzungen: Im Nekrologteil p. 83-267 notieren eine Reihe von Nachtragshänden des 16. und beginnenden 17. Jhs. meist sorgfältige bis kalligraphische Obituareinträge in Humanistica, teilweise barockisiert, oder in Kursive. Der erste Nachtrag setzt p. 83 mit 1540 ein, gefolgt von zahlreichen weiteren des 16./2 Jhs.; die wenigen über 1600 hinausgehenden finden sich p. 106, 114, 147, 176 (1600-1619). Zum Aussetzen der Nachträge wegen eines neuen Nachfolge-Obituars von 1611 (Cod. 1442) s. u. Von einer späteren Hand des 16./2 Jhs. auch die arabischen Tageszahlen, mit schwarzer Tinte neben den römischen des Kalendars eingetragen.
Einband: Einband 16. und 18./19.Jh., ehem. helles, jetzt teilweise gebräuntes Leder auf Holz, Renaissance-Dekor aus gebündelten Streicheisenlinien und Stempeln mit runden Blumen-Medaillons im inneren Geviert. Sämtliches alte Metallwerk, vier Eckbeschläge und ein Zentralrhombus pro Deckel sowie die zwei Schliessen VDK-HDK verloren; am Ort des ehem. Zentralrhombus eine neue ornamentale Prägung wohl des 18. Jhs. Der Einband wurde restauriert oder neugebunden Ende 18. oder Anfang 19. Jh. mit neuem Rückenüberzug und neuer Mittelschliesse HDK-VD.
Inhaltsangabe:
  • 5-72 Regula sancti Benedicti abbatis
    Ausculta o fili precepta magistri ac inclina aurem cordis tui ac admonicionem pij patris …–… virtutum culmina: deo protegente peruenies Amen. >Explicit regula sancti Bendicti abbatis.< Die beiden Explicit-Schlusszeilen mit Wasser halb getilgt. Folgt das Kolophon Fridolin Sichers von 1542 (s.o.).
    Unsere späte Hs. in der Textphilologie der Benediktsregel nicht mehr erfasst, vgl. Ludwig Traube, Textgeschichte der Regula S. Benedicti ( = Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 3. Kl., Bd. 21, Abt. 3), München 1898, p. 599-731; ebenso Jean Neufville, La règle de Saint Benoît. Instruments pour l'étude de la tradition manuscrite, Paris 1972; BasiliusnSteidle [Hg.], Die Benediktusregel. Lateinisch-Deutsch, Beuron ³1978; Germain Morin / Ambrogio Amelli [Hgg.], Regula Benedicti [Faks. nach Cod. 914 StiBSG], St. Ottilien 1982, Bibliogr. p. XV-XVII.
  • 73-81 [Versus] Capituli post Pentecosten ac post Epiphaniam
    [Rubrik.] >Sequens capitulum dicitur ab octava penthecostes Cinerum.< Dominus autem dirigat corda ac corpora vestra …–… [De viduis.] ac liberas eos de manu odientium / domine deus noster. tu autem … // bricht ev. ab, das Pergament unmittelbar nach Textende Z. 3 abgeschnitten (s.o.), (81) nach Z. 3 leer, (82) leer.
    Es dürfte sich um die Kapitelverse der Komplet oder auch des Klosterkapitels handeln, da sie auf den Text der jeweils im Kapitel verlesenen Benediktsregel folgt.
  • 83-267 [Martyrologium et necrologium S. Galli]
    In Kalendarform von Fridolin Sicher angelegt und von einer Reihe späterer Hände ergänzt, jedoch ausschliesslich mit Sterbeeinträgen. Kalendas ianuarii. [Rubrik.] >Jam prima dies ac septima fine timetur. Octaua nativitatis< … [Textus.] Rome Almachij [vel Telemachii]. Martine virginis. ac deposicio Basilij episcopi …–… [Rubrik.] > Pridie kl. Januarii.< [Textus.] Rome Siluestri episcopi donati paulini Senonis passio Columbe virginis. Obitus Galli blarer de wartensee [am Ende der Seite:] Et aliorum plurimorum sanctorum Commemoratio fratrum sororum ordinis nostri familiarium ac benefactorum defunctorum.
    Folgt Subskription Sichers von 1543 (s.o.).
    Der Text folgt für den Kanon der altkirchlichen Heiligen im Wesentlichen dem Martyrologium Romanum, welches Sicher u. a. den Codd. 453-458 entnommen hat. Dieser von Diethelm Blarer in Auftrag gegebene Codex ersetzt das ältere Nekrolog und Obituar Cod. 453, dessen Einträge im 16. Jh. aussetzen; es wird wiederum abgelöst von dem von P. Schaller 1611 unter Bernhard Müller neu angelegten Obituar der »Tabulae Defunctorum S. Galli abbatum, monachorum et conscriptorum«, Cod. 1442, welches bis ins 19. Jh. weitergeführt ist.
    Schon von der Haupthand Sichers stammen viele Nekrologeinträge des Klosters vom 8.-12. Jh., vgl. etwa Winithar p. 157, aber auch von Laien, vgl. p. 169 den Eintrag betr. einer Familie (oder Laiengruppe) mit einem Kind. Nachgetragen ferner von Händen des 16.-18. Jhs. passim viele Einträge für Verstorbene des St. Galler Klosters und weiterer schweizerischer und süddeutscher Konvente, sowie für Familienangehörige und Wohltäter(innen).
    Vgl. die Lit. zu den Martyrologien Codd. Codd. 453-458. MGH Necr. 1, p. 463, unsere Hs. als letzte mit der Nr. 17, nicht als eine der mit Siglen versehenen Haupt-Hss. Im weiteren Zusammenhang vgl. Wartmann, Totenbuch (1884), p. 369-463, im Wesentlichen aufgrund der Codd. 339, 342, 361 und der p. 9-16 des Fragment-Bandes 1399; Hs. auch kurz beschrieben in Ochsenbein/ Schmuki, Glehrte Leüt (1993), p. 22-24.
Entstehung der Handschrift: In StiBSG seit Entstehung, gemäss dem Stifterwappen in Init. p. 5a und dem nur selten angebrachten persönlichen Stempel D. B. p. 268 neben dem üblichen Stempel D. B. der Abtei. Besitzeintrag des späten 16. Jhs. auf vorderem Spiegel: Liber Sancti Galli atque O[thmari].
Bibliographie:
  • CMD-CH III, Nr. 94, mit Stv.-Abb., das erste Kolophon von 1542 nicht verzeichnet;
  • Nef, Sicher (1938), unsere Hs. p. 140;
  • Schmid, Buchmalerei (1954), p. 50;
  • Ochsenbein/Schmuki (s. u.).